Zur Weihe eine Prozession zum „Weißen Kreuz“

Das Original von 1714 hat in der alten Friedhofskapelle in Rauenberg seinen Platz gefunden Nachbildung kostete 16000 Euro

Rauenberg. (GW) Der Palmsonntag wurde für Rauenberg zu einem ganz besonderen Tag. Nach fast dreijähriger Planungs- und Restaurierungszeit konnte die Nachbildung des Weißen Kreuzes mit einer Einsegnungsfeier seiner Bestimmung übergeben werden. Begleitet wurde die Zeremonie vom Rauenberger Musikverein unter der Leitung von Helmut Spannagel.

Der katholische Ortsgeistliche Pfarrer Harald-Mathias Maiba konnte eine große Schar von Gläubigen vor der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul begrüßen. Von hier aus machte man sich in einer Prozession auf den Weg zum Weißen Kreuz. Dieses liegt auf halber Strecke an einem Feldweg zwischen Rauenberg und den Aussiedlerhöfen in Richtung Malschenberg. Gebete und sakrale Lieder begleiteten den Weg der Gläubigen zur Statio. Dort angekommen, ergriff Bürgermeister Frank Broghammer das Wort. Er bezeichnete die Einsegnungsfeier als einen „bedeutsamen Tag für Rauenberg“. Die Idee zur Restaurierung des Feldkreuzes stamme aus dem Jahr 2003. Während der Vorbereitungen für die 700-Jahr-Feier der Gemeinde sei dieser Gedanke aufgekommen. Das eigentliche Feldkreuz sei allerdings nicht restauriert, sondern nachgebildet worden. Das Original befindet sich seit einem Jahr in der alten Friedhofskapelle.

Besonders bedankte sich Bürgermeister Frank Broghammer bei den vielen Mitstreitern, die zum Gelingen des Projektes beigetragen hatten. Besondere Erwähnung fand hierbei Dr. Dieter Wagner vom Verein für Kunst und Heimatgeschichte sowie alle, die bei der Finanzierung mitgeholfen haben. Die Kosten beliefen sich auf rund 16000 Euro, die von der Stadt, dem Förderverein der Kirche St. Peter und Paul, dem Verein für Kunst und Heimatgeschichte, der Bastelgruppe der katholischen Frauengemeinschaft sowie von Ehrenbürger Dr. Hans-Dietrich Henschel aufgebracht wurden. Ein besonderes Lob zollte Bürgermeister Frank Broghammer noch Wolfgang Rößler und dem Rotenberger Ortsvorsteher Norbert Menges. „Beide haben die Mühen auf sich genommen und die in Polen gefertigte Replik des Kreuzes nach Rauenberg gebracht.“ Der Dank des Bürgermeisters galt auch Karl Steidel, der sein Fachwissen mit einfließen ließ.

Auf die Geschichte des Weißen Kreuzes ging Dr. Dieter Wagner ein. Wie er ausführte, reichen Flurkreuze dieser Art bis ins 17. Jahrhundert zurück. Die Sockel, auf denen die Flurkreuze stehen, enthalten entweder einen frommen Spruch oder geben einen Hinweis auf den Namen des Stifters. „Anders ist es bei dem Weißen Kreuz. Hier steht nur die Jahreszahl 1714. Glücklicherweise gibt es jedoch aus dem Jahr 1743 ein Verzeichnis über die Rauenberger Kapellen und Kreuze“, so Dr. Wagner. Hieraus geht hervor, dass der Stifter des Kreuzes Peter Leyer (1653-1736) war. Ursprünglich stand das Weiße Kreuz im Gewann Keil. Zweck des zweitältesten Rauenberger Flurkreuzes war die Statio bei Flurprozessionen. Hier wurde früher Halt gemacht am Tag der Kreuzfindung am 3. Mai sowie bei der Flurprozession der „Wetterherren“ Peter und Paul am 26. Juni. Diese sollten schon damals die Weinberge und Felder vor Hagelschlag schützen.

Nach den Worten von Dr. Dieter Wagner hatten die Flurkreuze neben ihrer religiösen Bedeutung noch eine weitere wichtige Funktion in früherer Zeit. Sie waren für die Bevölkerung auch ein wichtiger Orientierungspunkt in der Gemarkung. Da es zu dieser Zeit noch ein weiteres Feldkreuz gab, wurden die Kreuze zur Unterscheidung mit Namen versehen. Das von Peter Leyer gestiftete Flurkreuz wurde aus hellem Sandstein mit rotbraunen Einschlüssen gefertigt. Wegen der hellen Farbe bekam es den Namen Weißes Kreuz. Wie den Erläuterungen von Dr. Wagner weiter zu entnehmen war, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg die Flurprozessionen auf verkürztem Weg durchgeführt. Da das Weiße Kreuz nicht mehr mit in die Prozessionen einbezogen war, wurde es auf Initiative von Pfarrer Hermann Neuhäuser Ende der fünfziger Jahre an seinen jetzigen Standort verlegt.

Auf eine weitere Besonderheit wies Dr. Wagner ebenfalls hin. Während Flurkreuze dieser Art in der Regel eine Höhe von vier Metern aufweisen, hat das Rauenberger eine Höhe von 5,23 Metern. Diese Höhe erklärt sich wahrscheinlich aus dem Umstand, dass es ursprünglich in den Weinbergen stand und gut erkennbar hervorragen sollte.

Pfarrer Harald-Mathias Maiba nahm die feierliche Segnung des Kreuzes vor, wozu die Gläubigen beteten und sangen sowie der Musikverein aufspielte. Mit einem Schmunzeln verriet Pfarrer Maiba zum Schluss noch, dass er daran denke, bei so vielen schönen Feldkreuzen wieder einmal eine Flurprozession durchzuführen.

mit freundlicher Genehmigung der RNZ