Die Orgel lässt die „Grundmelodie Gottes“ erklingen

Die Weihe der neuen Orgel durch Weihbischof Dr. Paul Wehrle war ein großer Tag für die Gemeinde Rauenberg Voll besetztes Gotteshaus

Rauenberg. Ein Festtag, wie ihn unsere Generation und mehrere der folgenden nicht mehr erleben werden, brachte der vergangene Sonntag für die katholische Pfarrgemeinde St. Peter und Paul in der Weinstadt Rauenberg. In der Pfarrkirche, dem Dom des Angelbachtals, wurde die neue von Orgelbaumeister Karl Göckel und seinem Team erstellte Orgel eingeweiht und im Spiel vorgestellt. Die Orgel ist die Königin der Instrumente, der Feiertag Christkönig war also ein maßgeblicher Tag für ein derartiges Fest, an dem auch die ganze Gemeinde teilnahm und das Gotteshaus bis auf den letzten Platz besetzte. Würdig der Einzug mit Weihbischof Dr. Paul Wehrle, den der Musikverein Rauenberg unter der Leitung von Helmut Spannagel mit prächtigem Klang und sehr stimmungsvoll musikalisch begleitete.

Klang der Freude...

Viel große Freude schwang in der Begrüßung durch den Ortsgeistlichen Pfarrer Harald-M. Maiba mit, der auf die Geschichte des Orgelbaus einging und allen Beteiligten für ihre großartige Arbeit und Mithilfe dankte. Spannend bis zur letzten Minute der Fertigstellung sei es gewesen, bis in die Nacht sei zuletzt gearbeitet worden und in genau 175 Tagen stand das große Werk vom Abriss der alten Orgel an. Der Pfarrer gab dieser Zahl eine Deutung: Eins deutete er als das Werk der Orgelbauer, sieben als die Zahl der Vollendung und fünf als die Zahl der Finger einer Hand, von denen der Spieler ja zwei habe, um die Orgel richtig zu spielen. Überzeugende Lobesworte kamen vom Erzbischöflichen Orgelinspektor Godehard Weithoff.

Orgelbaumeister Göckel ging auf die Forderungen ein, die an eine Orgel zu stellen sind. Zunächst gilt es, eine Melodie richtig zum Erklingen zu bringen. Hierzu dienen insgesamt 35 Register mit unterschiedlich aufgebauten Pfeifenarten. Es sind 2293 Pfeifen eingebaut, die größte ist fünfeinhalb Meter lang, die kleinste einen Zentimeter. 5 000 Arbeitsstunden waren notwendig, um die insgesamt 20 000 Teile, aus denen die Orgel besteht, zu fertigen und einzubauen. Die notwendige Harmonie ergebe sich aus den verschiedenen Stimmen von den starken Zungenregistern, die den Blechbläsern des Orchesters nachgebildet sind, bis zu den samtweichen Streicherstimmen. Für die gewünschte Dynamik in den gegebenen Abmessungen des Gotteshauses wurde ein akustisches Konzept entwickelt und der Klang erfasst den gesamten Bereich der Wahrnehmung durch das menschliche Ohr: von 16 Hz bis 14 000 Hz (Schwingungen pro Sekunde), von C bis a. Der Spieltisch hat drei Manuale, wobei zu den fest zugeordneten Registern noch die verschiedensten Kopplungen möglich sind. Das Pedal hat sechs Register von C bis g. Über den äußeren Aufbau informierte der Designer Markus Fuchs.

Die Prozession des Weihbischofs und seiner Begleitung vom Altar zur Orgelempore wurde vom Musikverein mit dem wunderschönen Lied „Die Rose“ von Amanda Mc Broom begleitet. Dieses Lied haben schon viele Musikfreunde in ihr Herz geschlossen und es zeigte sich einmal mehr, dass es für alle Gelegenheiten eingesetzt werden kann. In der Liturgie zur Orgelweihe sind die Aufgaben der Orgel als ehrwürdiges Instrument der Kirche erfasst. Sie soll verkünden „das Lob des allmächtigen Vaters, das Opfer unseres Herrn Jesus Christus und anrufen den Heiligen Geist, soll verkünden die Barmherzigkeit, Liebe und Gerechtigkeit Gottes, das Gotteshaus erfüllen mit dem Klang der Freude und die Trauernden trösten, und soll preisen die Macht, die Erhabenheit und die Herrlichkeit des dreieinigen und ewigen Gottes.“

Der Bogen des Kirchenjahres neige sich zu Ende und das neue beginne, betonte Weihbischof Dr. Wehrle bei seiner Ansprache. Das Christkönigsfest, das Fest des Königs inmitten der Seinen und den Seinen hingegeben, bringe gleichsam eine Zusammenfassung der christlichen Heilsbotschaft. Mit Worten allein könne die Brücke nicht geschlagen werden, die Musik sei dabei sehr wichtig und bringe das Lied der Hoffnung, den Klang der Freude und den Grundakkord des Erbarmens Gottes. Wobei es gar nicht so einfach sei, diese Grundmelodie Gottes herauszuhören aus den vielen schrillen und schrägen Tönen in dieser disharmonischen Welt. Man solle sie nicht ausblenden wollen, sondern sie wahrhaben und mit Sorgfalt immer wieder auf sie achten. Sie sei vielstimmig, diese Grundmelodie Gottes und eine Orgel sei hierzu ein plastisches Beispiel. Wie bei ihr in der Vielstimmigkeit ein klarer Klang erzielt werden muss, ist es auch im menschlichen Leben notwendig, nicht nur die Stimme des Einzelnen zu hören, sondern den klaren Zusammenklang in der Gemeinschaft der Kirche innerhalb der Widersprüchlichkeiten unserer Gesellschaft.

... und Grundakkord des Erbarmens

Im Vespergottesdienst kam nun durch den Orgelinspektor Weithoff die neue Orgel trefflich zum Spiel. Sie hat alle notwendigen Register, um die unterschiedlichen Stimmungen wiederzugeben und sie hat einen wunderschönen Klang. Auch diese 60. Orgel von Orgelbaumeister Göckel ist ein reifes, bedeutsames Werk. Die Gemeinde stimmte bei den verschiedenen Liedern und vor allem beim Te Deum mit viel Freude ein und der Kirchenchor unter der Leitung von Dietmar Schüssler zeigte sich außerordentlich gut disponiert bei seinen Sätzen mit frischem Klang, gut artikulierend und mit weit ausholender dynamischer Kraft und rhythmischer Beweglichkeit. Freude bei dem Vorsitzenden des Fördervereins, Horst Wien, der, wie bei diesen Veranstaltungen bekannt, eine Organisation ohne Fehl und Tadel ablieferte und dem sein großer Wunsch erfüllt wurde, das Entstehen einer neuen Orgel vom Anfang bis zur Einweihung zu verfolgen. Anschließend fand man sich im Foyer des Rathauses zusammen, wobei die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Roswitha Schöttler ihren Dank übermittelte: Ein ganz großer Tag ging voller Harmonie zu Ende.

mit freundlicher Genehmigung der RNZ